Was ist ehrbezogene Gewalt?
Gewalt, die mit Bezug auf Ehrkonzepte ausgeübt wird, ist ein sehr komplexes und vielfältiges Phänomen. Benennungen wie «Ehrverbrechen» und «Ehrenmorde» greifen zu kurz, denn sie reduzieren auf massive Gewalttaten bzw. Tötungsdelikte. «Gewalt im Namen der Ehre» verweist hingegen nur auf Gewalt mit explizitem Bezug zu Ehrkonzepten. Weniger massive, alltäglichere Formen von Gewalt und Taten, deren Bezug zu Ehre nicht direkt artikuliert wird, erfasst auch dieser Begriff nicht. TERRE DES FEMMES Schweiz verwendet daher die Bezeichnung «ehrbezogene Gewalt» (in Anlehnung an die englischsprachigen Begriffe «Honour based violence» und «Honour related violence»).
Formen von ehrbezogener Gewalt treten sehr oft im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Geschlechterhierarchien auf. So können Sanktionen in Form von Gewalt die Ehre des Mannes bzw. der Familie wieder herstellen. Die Bandbreite solcher Gewaltformen reicht dabei von eher subtileren emotionalen Erpressungen über psychische Gewalt bis zu physischen Gewaltakten. Zwangsverheiratung ist ebenfalls eine Form von ehrbezogener Gewalt.
Beispiele für ehrbezogene Gewalt unter Männern sind Blutfehden und Blutrache oder auch Gewalt gegen Männer, die für die Beschädigung der Ehre einer Frau verantwortlich gemacht werden.
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